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Die Wahrheit bei Koronarangiografie
 
Zugänglichkeit verschiedener Bevölkerungsschichten zur Koronarangiografie: Ein Befund aus England mit unklarer zukünftiger Bedeutung für die Schweiz und dem klaren Kommentar eines Schweizer Experten.

B. Meyer
 

Die Wahrheit findet sich immer, manchmal allerdings um 3 Ecken herum.

 

Extrapolation 1: Menschen sind voreingenommen. Ärzte sind Menschen. Ärzte sind voreingenommen.

Extrapolation 2: Die Koronarangiografie dient zur Aufdeckung von Herzkranzgefässproblemen. Herzkranzgefässprobleme verursachen Ereignisse. Die Koronarangiografie verhindert Ereignisse.

 

Gescheite Leute haben sich die Mühe gemacht, in sogenannten „Chest Pain Clinics“ in England die Daten von über 10'000 Patienten zu durchforsten [1]. Bei etwa jedem 8. kamen sie zum Schluss, dass man eine Koronarangiografie hätte durchführen sollen. Durchgeführt worden war sie allerdings nur bei jedem 20. Die weitere Analyse zeigte, dass die Koronarangiografie bei gewissen Menschen (Männern, Weissen, Gebildeten, Angehörigen der Oberklasse, etc.) häufiger durchgeführt wurde als bei anderen. Dies unterlegt die obige Extrapolation 1.

 

Es zeigte sich aber auch, dass das Nichtdurchführen der Koronarangiografie gefährlich war bezüglich kardialer Ereignisse in den folgenden Jahren. Ergo Extrapolation 2.

 

Eigentlich ist die Studie für Schweizer Verhältnisse wertlos. Patienten mit beschriebener Symptomatologie, die sich in einer spezialisierten Schweizer Klinik melden, würden allesamt angiografiert. Die erste Extrapolation gilt zwar auch für die Schweiz, bliebe aber in diesem Zusammenhang unentdeckt. Zweitens wurde in besagter Studie weniger als 1/4 der angiografierten Patienten einer revaskularisierenden Behandlung zugeführt (je etwa die Hälfte unterzog sich einer kathetergestützten oder einer chirurgischen Revaskularisierung). Die zweite Extrapolation bliebe damit ebenfalls unentdeckt. Sind wir doch unseren englischen Kollegen dankbar, dass sie so rückständig sind und uns damit die Bestätigung liefern, dass unser Tun recht ist, ohne dass wir uns die Mühe machen müssen, dies selbst zu beweisen.

 

„Halt“, mögen da einige sagen, „es gibt ja neuerdings die Möglichkeit, eine Computertomographie-Koronarangiografie (CT-Angio) durchzuführen, womit man die konventionelle Angiographie nur noch in den dabei nicht normalen Fällen benötigt“ [2]. Die CT-Angio mag vielleicht eine konventionelle Koronarangiografie bei Patienten, bei denen man sie ohnehin nicht gemacht hätte (etwa 7/8 in der britischen Studie) ersetzen. Eher wahrscheinlich ist allerdings, dass sie zusätzliche konventionelle Koronarangiografien nach sich ziehen wird. Die Koronarien in der CT-Angio bei Menschen über 50 Jahren sind praktisch nie von normalem Aspekt. Ausserdem fügt man dem Patienten eine Strahlendosis zu, welche diejenige einer konventionellen Koronarangiografie um ein Vielfaches übersteigt und sich in einem relevant kanzerogenen Bereich bewegt.

 

Die Wahrheit wurde gefunden. Wir können es beim Alten belassen. Der Patient mit Thoraxschmerzen wird gründlich befragt und angeschaut. Ein EKG wird gemacht, oft mit Belastung, und dann wird entschieden. Wird man aktiv, ist es eine Koronarangiografie, auf welche dann in 70% eine Koronardilatation folgen wird. In 15% wird eine Bypassoperation anberaumt und in 15% erweist sich der Verdacht als falsch. Sonst noch Fragen?

 

Referenzen

1. Sekhri N, Timmis A, Chen R, Junghans C, Walsh N, Zaman J, Eldridge S, Hemingway H, Feder G. Inequity of access to investigation and effect on clinical outcomes: prognostic study of coronary angiography for suspected stable angina pectoris. BMJ; 336:1058-1061, 2008.
2. www.medpagetoday.com/Cardiology/MyocardialInfarction/tb/9637


 

Prof. Bernhard Meier, Direktor und Chefarzt Kardiologie, Universitätsklinik Inselspital, 3010 Bern


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25.06.2008 - dde


 
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